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Das 9. Trakehner Rennen ist einem der größten Leistungsvererber in der Geschichte Trakehnens und der ostpreußischen Warmblutzucht Trakehner Abstammung gewidmet.

Nana Sahib X
Bildunterschrift: Nana Sahib x

Die große Zeit des Trakehner Leistungspferdes wurde maßgeblich von einem Angloaraber geprägt, dessen Name auch heute noch mit Hochachtung ausgesprochen wird: Als Landstallmeister Burchard von Oettingen im Jahre 1906 in einem Pariser Rennstall den Schimmelhengst NANA SAHIB x entdeckte, sollte dies der Beginn einer von großen Trakehner Sportpferden geprägten Epoche sein. Wie schwierig bei aller Brillanz der auf ihn zurückführenden Leistungspferde doch sein züchterischer Status war, beschreiben Kommentare von Zeitzeugen, die auszugsweise aus Jürgen von Henninges’ „Hauptbeschälerbuch; Trakehnen 1732 – 1945“ zitiert werden: „Nana Sahib war ein hochedler, bildschöner Hengst, der den herrlichen Glanz eines Arabers mit großen Linien zur Schau trug. Aufgrund seiner Schnelligkeit und der ihm eigenen Fähigkeit, mit Intelligenz zu springen, war er auf französischen Rennbahnen als guter Steepler berühmt. Da er die 1,60 m hohe, massive Steinmauer, mit der die Paddocks eingegrenzt waren, glatt übersprang, wurde ihm ein mit Doppelzaun versehener Paddock zugewiesen. Leider entsprach die Einschienung seiner Sprunggelenke nicht den an einen Hauptbeschäler zu stellenden Anforderungen. Aus rein züchterischer Sicht vererbte er sich sowohl im Exterieur als auch in der Farbe recht ungleichmäßig: neben edlen Produkten gab es auch viele große, schmale Tiere, die äußerlich nichts von ihm hatten; häufig waren schmale Sprunggelenke, z.T. mit Hasenhacken. Seine Töchter fielen gleichmäßiger aus als seine Söhne. Fast allen gab er sein geradezu unwahrscheinliches Springtalent und seine Härte, nur wenigen auch seine Schnelligkeit mit. Alle seine Kinder und viele seiner Großkinder waren herrliche Reitpferde.“

Nana Sahib x und Panna
Bildunterschrift: Nana Sahib x und Panna

Im Turniersport ragten der Springderby-Sieger MORGENGLANZ, weiterhin ENTE, MÄRCHEN, CRAILSHEIM und THOMAS heraus. Im damals blühenden Halbblut-Rennsport zählten DUALA, ERGO SUM, INGRI, ELFCHEN, LEFFERS, BERGFINK, INKA, ISSA und vor allem HEIMATHORST und HEIMATSANG, die Sieger im v. d. Goltz- Querfeldeinrennen zu den berühmten Spitzenpferden.

Auch durch seine Söhne vermochte er seine herausragenden sportlichen Talente zu vermitteln: CORNELIUS genoss als Erzeuger bester Sportpferde einen ähnlichen Ruf wie der Vater und stellte u.a. Irmgard v. Opels Springderbysieger NANUK und HEROLD, den mehrfachen Sieger der Pardubitzer Steeplechase. HENDRICK führte in den westpreußischen, Posener und pommerschen Warmblutzuchten mit deutlichen Erfolgen die väterliche Leistungslinie fort.

Und schließlich waren es auch Nana Sahibs Töchter in den Herden Trakehnens und in der Privatzucht, die seine Leistungsattribute deutlich dokumentierten: PASTRANA brachte POSIDONIUS v. Master Magpie xx, der unter dem Sattel von Prinz Sigismund von Preußen zu einem Erfolgspferd in internationalen Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen heranreifte. Mit PROFOSS v. Hexentanz stellte sie einen weiteren, im schweren Parcours erfolgreichen Sohn. Über die Rittigkeitswerte der berühmtesten Tochter des Nana Sahib äußerte sich Landstallmeister Siegfried Graf Lehndorff in begeisterten Worten: „Das beste Pferd, das mir als Jagd- und Reitpferd gedient hat. Ich habe nie ein Pferd geritten, das – wie PANNA - obgleich vollständig roh, wie ein fertig gerittenes Pferd ging, überhaupt keine Schwierigkeiten besaß und hervorragend sprang.“

Cancaras Erbe

Dennoch wäre aus züchterischer Sicht wenig von seinen Genen geblieben, wäre nicht sein Enkel CANCARA gewesen. Als Sohn des Master Magpie xx und der Nana Sahib x-Tochter Cymbal verstärkte er die Einflüsse seines Großvaters, dem er auch im Habitus, seinem Adel, seiner Vornehmheit und nicht zuletzt in seiner Härte und Leistungsbereitschaft ähnlich war. Hinsichtlich seiner Blutführung hätte er den Anforderungen entsprochen, die die Systematik einem Angloaraber vorschrieb. Sein züchterischer Lebensweg war nicht frei von Hindernissen: Von 1921 und 1922 als Hauptbeschäler in Trakehnen tätig, musterte ihn Landstallmeister Siegfried Graf Lehndorff zu Beginn seiner Tätigkeit, deren Hauptaufgabe in der Verstärkung des Trakehner Bestandes lag, aus, und versetzte ihn in das Landgestüt Gudwallen, von dort zog er im Jahre 1928 nach Braunsberg um. Dr. Ernst Ehlert, Graf Lehndorffs Nachfolger im Amt, holte ihn im Jahre 1932 nach Trakehnen zurück – im Wissen, dass der schöne Schimmel in Trakehnen und in der bäuerlichen Privatzucht Eigenschafen verankert hatte, die im Hinblick auf Härte, Wesensfestigkeit und Rittigkeit unverzichtbar waren.

Cancara
Bildunterschrift: Cancara

Fünf Stammstuten der heutigen Zucht verdanken ihrem Vater bzw. nächsten Vorfahren ihre Existenz und leiten damit über in die züchterische Gegenwart. Stellen wir in dieser Aufzählung die wohl bedeutendste seiner Töchter, KOKETTE an die Spitze, mütterlicherseits stammte sie aus der schweren Rappherde Trakehnens. DONNA und CITA, beide v. Cancara, PELARGONIE v. Lowelas ox und in geminderter Form auch PERAEA v. Hirtensang erfüllten den Anspruch, von väterlicher und mütterlicher Seite her einen angloarabischen Status zu beziehen. Cita führte auf Mutters Seite dem Nana Sahib-Sohn ALTMEISTER und Chatou xx weiteres Edelblut. Sie war Stammstute in Iden, dem Versuchsgut der Universität Halle und begründete eine zwar schmale, aber besonders wertvolle Familie der Trakehner Zucht der ehemaligen DDR. Auf Donna, einer Tochter der Weiler Vollblutaraberin Dongola ox, führt eine der bedeutendsten und einflussreichsten Stutendynastien der Gegenwart zurück mit zahllosen Verdiensten hinsichtlich der Lieferung prägender Vererber, berühmter Sportpferden und hochklassiger Mutterstuten.


Morgenglanz (1930 Sieger des Springderby), Heimathorst und Heimatsang von Nana Sahib x
Bildunterschrift: Morgenglanz (1930 Sieger des Springderby), Heimathorst und Heimatsang von Nana Sahib x

Beide Familien zählen ebenso zu den starken Säulen der Gesamtzucht: Allein die ihnen angehörenden Hauptvererber PREGEL und PARTOUT sowie der olympische Medaillenträger PERON und sein naher Verwandter, der in zahlreichen S-Konkurrenzen erfolgreiche Dressurhengst PERON JUNOIR, aber auch der amtierende Siegerhengst PERPIGNAN NOIR beschreiben eine dominierende Stellung dieser Dynastien im Familienalbum der Trakehner Stutenstämme. Nana Sahib’s Erbe hat also segensreich im Hinblick auf die gewünschten Eigenschaften, wie Adel, Härte, Vitalität, Leistungsbereitschaft und wertvollen Rittigkeitsmerkmalen gewirkt.

Erhard Schulte

Nana Sahib x
Bildunterschrift: Nana Sahib x