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„Siegfried-Freiherr-von-Schrötter-Wohnsdorff – Gedächtnispreis“

Das 11. Trakehner Rennen ist einer großen, ganz besonderen Persönlichkeit gewidmet, der die Trakehner Zucht nicht nur einen erheblichen Teil ihrer Blüte und ihrer Erfolge damals noch im Heimatzuchtgebiet sondern auch den Wiederaufbau nach der Flucht im Westen verdankt.



Gr. Wohnsdorff im Kreis Bartenstein galt als eines der traditionsreichsten und erfolgreichsten Privatgestüte Ostpreußens. Auch hinsichtlich seiner Baulichkeiten und Gebäude zählte der Herrensitz der Familie von Schrötter zu den historisch verbrieft geschichtsträchtigsten der Provinz:
Bereits im frühen Mittelalter lag hier auf hohem Ufer über der Alle gelegen eine prußische Wallburg namens Capostete, die 1255 vom Deutschen Orden erstürmt wurde.
1319 und 1347 wurde die kleine Burg von den Litauern erobert und zerstört. Seit 1688 oder 1702 bis 1945 gehörte der Besitz der Familie von Schrötter. Der spätere Oberpräsident und Staatsminister von Ost- und Westpreußen, Friedrich Leopold Freiherr von Schroetter (1.2.1743 – 30.6.1815), wohnte in jungen Jahren im alten prußischen Torturm und führte zusammen mit seinem Vater auf der Terrasse des Turms philosophische Gespräche mit Immanuel Kant, der der Familie freundschaftlich verbunden war und sich gerne in Groß Wohnsdorff aufhielt.
„Mir ist nur ein einziges Haus bekannt, das in meilenweiter Entfernung von Königsberg sehr oft auf mehrere Tage von unserm Weltweisen besucht worden ist und wo er sich so ganz nach seinem Geschmack glücklich gefühlt hat, nämlich das väterliche Haus des Ministers und des Kanzlers v. Schrötter zu Wohnsdorff. Kant wusste nicht genug zu rühmen, welche Humanität in diesem Hause seines Freundes geherrscht habe und mit welcher ausgezeichneten Freundschaft er von dem vortrefflichen Mann, gegen der er noch im Alter die größte Hochachtung hegte, stets aufgenommen worden ist. Besonders versicherte er deshalb hier die angenehmste ländliche Erholung gefunden zu haben, weil sein humaner Gastfreund ihn nie eingeschränkt habe, ganz wie in seinem eigenen Hause, nach seinem Geschmack zu leben.“
(Zitat des Zeitzeugen Jachmann, 1804)



Bereits im Jahre 1924 wurde Siegfried von Schrötter, ein Nachfahre des großen Staatsmannes, Mitglied des Vorstandes der Ostpreußischen Stutbuchgesellschaft, 1938 dann ihr Vorsitzender.
Auf seinem 5000 Morgen großen landwirtschaftlichen Betrieb betrieb er mit etwa 20 Mutterstuten die ostpreußische Warmblutzucht Trakehner Abstammung. In den 22 Jahren seines dortigen züchterischen Wirkens wurden 100 dort gezogene bzw. aufgezogene Hengste an die Preußische Gestütverwaltung, dazu 25 als Privatbeschäler verkauft. Fünfmal waren Wohnsdorffer Hengste Spitzen ihres Jahrgangs: Albatros, Alba und Alarich, alle v. Alaskafuchs, Lichtstrahl v. Lieber Kerl, Sand v. Italiener; Alba und Sand wurden dazu auf den Ausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hochprämiert.







Jährlich konnten um die 20 Remonten an die Heeresverwaltung verkauft werden. Siegfried von Schrötter war ein großer Anhänger des Turniersports, vor allem dem Hindernisrennen und den Vielseitigkeitsprüfungen. Auch auf den Auktionen des Hauptgestüts Trakehnen erwarb er zahlreiche junge, im Gelände Trakehnens erprobte Leistungspferde. Stellvertretend an dieser Stelle der Nana Sahib x-Sohn Heimatsang a.d. Heimat v. Blagueur xx, den er im vierjährig im Jahre 1924 ersteigerte. Der harte, mit überlegenen Leistungsattributen ausgestattete Schimmel zählte später zu den erfolgreichsten deutschen Hindernis- und Geländepferden und siegte u.a. unter dem Besitzerpatronat von Siegfried von Schrötter und unter dem Sattel von Lt. Freiherr v. Seherr-Toß im v.d. Goltz-Querfeldein-Rennen.



Mit dem Ausgang des 2.Weltkrieges gingen auch alle Gestütspferde verloren. Lediglich die Klassestute Iringa v. Eiserner Fleiß, die bereits 1947 einging, und die Alaskafuchs-Tochter Alaska, die im Hauptgestüt Marbach ihre Familie weiterführte, konnten gerettet werden. Bereits während des Krieges war die Rotschimmelstute Insterburg v. Alba zu Freiherr von Nagel ins westfälische Vornholz gelangt. Nach dem Krieg gab dieser die Stute an ihren Züchter zurück, und es gelang ihr dann im Ostpreußengestüt Hunnesrück eine neue, blühende Familie zu begründen. Das Erbe der Wohnsdorffer Zucht lebt damit weiter bis in die Gegenwart, denn aus der Insterburg-Dynastie gingen Vererber wie Intermezzo, Insterruf, Insterfeuer, Inselkönig, Idealist, Borusse, Insterpark oder Invincible Sir hervor sowie zahlreiche hochprämierte Mutterstuten und erfolgreiche Sportpferde.




Siegfried Freiherr von Schrötter war von 1947 bis 1965 Vorsitzender des Trakehner verbandes, danach sein Ehrenvorsitzender. Am 8.August 1974 schloss er seine Augen für immer. Er ist unvergessen, die Erinnerungen an einen hochkarätigen Pferdemann, an eine ganz besondere Persönlichkeit sind bleibend.

Erhard Schulte
Trakehner