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Wissenswertes zu Ben Hur

Ben Hur, der Held von Pardubitz

Unter den großartigen Leistungspferden, die sich in die Siegerlisten der Pardubitzer Steeplechase eintrugen, besitzt der Name des Schimmels BEN HUR einen besonderen Klang. Nicht nur der Sieg im schwersten Hindernisrennens des Kontinents im Jahre 1929 war ihm sicher, dieser große Erfolg reihte sich in eine Serie von Siegen, die der harte und unverwüstliche Halbblüter in zahlreichen weiteren großen Hindernis- und Jagdrennen und auch in schweren Springen errang.

Geboren wurde er im Jahre 1922 bei dem kleinen bäuerlichen Züchter Gruber auf seinem Hof Lenkutschen. Lenkutschen zählte zum Gutsdorf Lugowen, das bis zum Jahre 1945 eine Gemeinde bildete, zu der die Ortsteile Alt Lenkutschen, Nendrinn, Neu Lenkutschen und Warlin gehörten. 1874 wurde Lugowen Verwaltungssitz und namensgebender Ort für den Amtsbezirk Lugowen, zu dem seinerzeit drei Dörfer gehörten und der im Landkreis Insterburg und ostpreußischen Regierungsbezirk Gumbinnen lag. Im Jahre 1910 lebten 367 Menschen in Lugowen. Am 3. Juni 1938 (mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938) wurde Lugowen in „Großlugau“ umbenannt.

Der Kreis Insterburg zählte zu den Hochzuchtgebieten des ostpreußischen Warmblutpferden Trakehner Abstammung; zahlreiche größere und kleinere bäuerlichen Zuchtstätten, deren Zuchten sich auf einem hohen Qualitätsniveau befanden, waren hier beheimatet. Stellvertretend soll Scharffetter-Kallwischken (später Hengsteberg) erwähnt sein, der eine der berühmtesten Privatzuchten Ostpreußens sein eigen nannte. Aber auch Lugowen selbst war die Heimat einer besonders renommierten Privatzucht: Die Familie v. Below unterhielt hier eine erstklassige Leistungszucht, deren Grundlagen sich auf den besten Sportlergenen aus den Lagern der angloarabischen und Englischen Vollblutzucht stützten. Nicht zuletzt auch durch die Tatache begründet, da der legendäre französische Angloaraber und Leitsungsvererber hier zu Hause war, nachdem er seine glanzvolle Hauptbeschälerkarriere in Trakehnen beendet hatte. In ein solches züchterisches Umfeld passte Ben Hur hervorragend: Sein Vater Benjamin xx stammte aus belgischer Vollblutzucht und wirkte von 1918 bis 1924 als Landbeschäler in Georgenburg, bevor eine Lungenentzündung seinen Leben ein Ende machte. Auch mütterlicherseits versammelten sich bei Ben Hur erprobte Leistungsgene mit hohem Blutgehalt.

Als junges Pferd wurde Ben Hur von dem engagierten und über die Grenzen der Provinz hinaus berühmten Turnierreiter Gustav Schwandt erworben; in Kl. Stoboy erhielt der blutgeprägte Schimmel den Status einer Hauptpersönlichkeit des Stalles - begründet nicht nur durch die großartigen Erfolge des Paares auf den Turnieren des Ostens, sondern auch durch sein lupenreines Wesen. Er war Lehrmeister der Jugend, Volitgierpferd, Arbeitspferd in vielseitigem Einsatz und geliebtes Reitpferd bei entspannenden Ausritten. Auch in dieser Hinsicht nimmt der Schimmel Ben Hur eine Vorbildfunktion ein - ein Alleskönner, der alle gestellten Aufgaben meisterlich und souverän löste.

Text: Erhard Schulte

Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur", geb. 1922 von Benjamin XX unter seinem Besitzer G. Schwandt - Kl. Stoboy, vor einem seiner zahlreichen gewonnenen schweren Jagdrennen. (Bild: Menzendorf)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur" als Lehrmeister der Jugend (Bild: Archiv)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur" gewinnt das Barrierenspringen (6 hohe Sprünge hintereinander) höchster Sprung 1,90 m. (Bild: Schmidt, Insterburg)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

Wenn das Auto versagt, hilf "Ben Hur" (Bild: Archiv)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur" beim Blumenkorso auf dem internationalen Turnier in Zoppot(Bild: Archiv)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

Auch die Gartenarbeit verrichtet "Ben Hur" mit Selbstverständlichkeit. (Bild: Archiv)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur" gewinnt unter G. Schwandt die Pardubitzer "Steeple Chase" am 13. Oktober 1929 in Pardubitz (Tschechoslowakei), das schwerste Hindernisrennen des Kontinents 6900 m mit 29 schwersten Hindernissen der Naturbahn. (Bild: Dirka, Pardubitz)


Ben Hur vor einem Jagdrennen

"Ben Hur" als Voltigierpferd (Bild: Archiv)