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„Heyser-Degimmen-Gedächtnispreis“

Das 10. Trakehner Rennen ist einer der erfolgreichsten ostpreußischen Züchterfamilien gewidmet, deren Zucht sich durch ausgeprägte Sportlichkeit auszeichnete. Otto Heyser zählte zu den besonders charismatischen Züchtern des ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung; seine Kinder Georg und Martha, verh. Haasler, waren erfolgreiche Turnierreiter mit einem Ruf, der weit über Ostpreußens Grenzen hinausging.

Otto Heyser
Ostpreußens Züchter Urgesteine: l. Otto Heyser, r. Franz Scharffetter.

Eine allseits anerkannte, prominente Stellung unter Ostpreußens Züchterpersönlichkeiten nahm Otto Heyser ein, er galt als eine der führenden und ersten Züchter der gesamten Provinz. Sein Urteil,
seine Fähigkeiten und seine Erfahrungen stellte er auch den pferdezüchterischen und reiterlichen Organisationen zur Verfügung.

Otto Heyser mit Anmut v. Lehndorff
Otto Heyser mit seiner Spitzenstute Anmut v. Lehndorff.


Otto Heyser bei seinen Stuten.

Degimmen, das 1938 in Kleindräwen umbenannt wurde, lag im Kreis Stallupönen (Ebenrode) nur wenige Kilometer entfernt von Gut Kattenau der Familie v. Lenski und nah gelegen zum Hauptgestüt Trakehnen.
Otto Heyser war die Seele aller züchterischen Bemühungen und Aktivitäten im Umfeld der auf hohem Qualitätsniveau befindlichen staatlichen Deckstation des Landgestüts Georgenburg.
Einen wesentlichen Teil der hofeigenen Landwirtschaft bildete die Pferdezucht, aber auch die Aufzucht und Vermarktung dazugekaufter Remonten aus der Zucht benachbarter kleinerer bäuerlicher Züchter.
Die tragende Degimmener Stutenfamilie führte auf die Stammstute ANDACHT v. Waldmeister zurück, aus der Otto Heyser die Spitzenstute ANMUT v. Lehndorff sowie die Vollschwestern ANTWORT und ANNELIESE, beide von Burgfrieden züchtete. Zum Stamm zählten auch die Beschäler ANWÄRTER, ANSTURM und ANTRIEB. Die Krönung aller sportlichen und später auch züchterischen Bemühungen bedeuteten die diesbezüglichen Erfolge der bunten Fuchsstute BEATE v. Blanc Bec xx. 1925 gewann sie das v.d.Goltz-Querfeldeinrennen in Trakehnen, das zweitschwerste Hindernisrennen des Kontinenets. 1928 war sie Zweite in der Pardubitzer Steeplechase, dem schwersten Hindernisrennen des Kontinents.
Auch 1929 war sie am Start, den 4.Platz zu erringen. Ihre Tochter BERGAMOTTE (Beatrix) v. Paradox xx wurde Mutter des Georgenburger Landbeschälers HUMBOLDT v. Hutten, Spitzenhengst des Ankaufsjahrgangs 1944 und einer der Hauptvererber und großen Linienbegründer beim Wiederaufbau der Trakehner Zucht im Westen. Auch JOHANNITERIN v. Johannisfeuer wurde zwei Mal in Pardubitz gestartet und kam 1928 als Vierte durchs Ziel. Nich weniger erfolgreich war der Turnierstall heyser mit den Spitzensportlern ELEMENT, HAUDEGEN, ANSAGER und IRONIE. Georg Heyser wurde 1931 in Würdigung seiner überragenden sportlichen Verdienste und Erfolge
mit dem Titel „Reitmeister“ geehrt.

Sieger 1982
Pardubitzer Steeplechase 1928: Sieger Vogler, zweite Beate, vierte Johanniterin.

Flucht und Vertreibung haben nur wenige Pferde der einst hochstehenden Heyserschen Zucht überlebt. – Und dies nur durch einen Zufall: Georg Heyser war im April 1944 mit seiner Remonte-Schwadron von Suwalki nach Lüneburg verlegt worden. Als er im November 1944 den Auftrag bekam, die noch in Ostpreußen verbliebenen, rohen Remonten per Bahn nach Lüneburg zu holen, schickte er seinen Schwager Jochen Klein. Der bekam es fertig, den Wehrmachtstransport platzmäßig so zu organisieren, dass in den Waggons Platz für u.a. fünf Heysersche Stuten blieb. So gelangten die Mutterstuten ANN, PATENTE, beide v. Adamas ox, die Paradox xx-Töchter ALLERLEI und BERGAMOTTE sowie die Schimmelstute PREISRÄTSEL v. Hutten nach Artlenburg bei Lüneburg. Leider gelang es nicht mehr Allerlei, Bergamotte und Preisrätsel züchterisch zu nutzen. Ann und Patente siedelten später mit Georg Heyser an seinen neuen Wohnort Halstenbek b. Pinneberg um und wurden hier zu Begründerinnen neuer, blühender Stutenstämme.
Auch der aus der Heyserschen Zucht kommende Georgenburger Landbeschäler SALDO v. Waldjunker konnte gerettet werden.
Seine Töchter Soldanelle und Maricka schufen neue, bis heute in Blüte stehende Familien. Vor allem Humboldt aber war und ist es, der die Erinnerungen an eine einstige Hochzuchtstätte des ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung mit Leben erfüllt. Und hier vor allem seine Großmutter Beate, die als eine besten Leistungsstuten Ostpreußens Turniergeschichte geschrieben hat.

Erhard Schulte